Das erste Jahr mit einem Welpen ist das teuerste Hundejahr, das du haben wirst — und zwar nicht wegen des Futters. Es ist das Jahr, in dem alles einmal anfällt: der Hund selbst, die Grundausstattung, die Impfserie, die Kennzeichnung, der Kurs. Danach wird es ruhiger.
Hier geht es um genau diese Einmalkosten. Die laufenden Monatskosten habe ich getrennt aufgeschlüsselt: Was kostet ein Hund im Monat? Beide Rechnungen zusammen ergeben dein erstes Jahr.
Wie im anderen Kostenartikel trenne ich auch hier belegte Beträge von offengelegten Annahmen. Wo ich eine Quelle habe, nenne ich sie. Wo ich rechne, sage ich es.
Stand aller Preisangaben: August 2026. Preise und Gebühren ändern sich — prüf vor einer Entscheidung immer die aktuelle Angabe der jeweiligen Stelle.
Der Hund selbst
Aus dem Tierheim — hier gibt es echte Zahlen
Tierheime veröffentlichen ihre Schutzgebühren. Das Tierheim Berlin nennt auf seiner Vermittlungsseite (Stand: 28.08.2026) 450 Euro für Hunde bis zu einem Jahr und 350 Euro für ältere Tiere; bei hohem Alter, Krankheiten oder Verhaltensproblemen sind nach eigenen Angaben Abstufungen nach unten möglich. Schutzgebühren setzt jedes Tierheim selbst fest und kann sie ändern — prüf den aktuellen Stand direkt beim Tierheim.
Wichtig ist, was darin schon enthalten ist: Die Tiere sind nach Angaben des Tierheims eingehend tierärztlich untersucht, geimpft, entwurmt und gechipt. Nach den Angaben des Tierheims kommt außerdem eine zweiwöchige Behandlungsgarantie nach der Vermittlung dazu. Rechnest du das gegen, ist die Schutzgebühr kein Anschaffungspreis, sondern zu einem guten Teil bereits bezahlte Tierarztleistung.
Vom Züchter — warum ich hier keine Zahl nenne
Für Welpen vom Züchter gibt es keine offizielle Preisliste und keine Instanz, die Preise festlegt. Die Beträge unterscheiden sich nach Rasse, Zuchtverband, Region und Nachfrage erheblich. Jede Zahl, die ich hier hinschreiben würde, wäre geraten — und Zahlen, die geraten sind, helfen dir bei der Planung nicht.
Verlässlicher ist der umgekehrte Weg: Such dir zwei, drei Züchter der Rasse, die dich interessiert, und frag direkt. Das kostet einen Nachmittag und gibt dir eine belastbare Zahl statt eines Durchschnitts.
Der billige Welpe ist der teure
Ein auffällig günstiges Angebot gilt als eines der Warnsignale für illegalen Welpenhandel. Die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN nennt in ihren FAQ zum illegalen Welpenhandel unter anderem folgende Anzeichen: das Muttertier könne nicht besichtigt werden; es seien sehr viele Tiere vor Ort, womöglich mehrerer Rassen; die Welpen seien jünger als acht Wochen; die Übergabe finde nicht zu Hause statt, sondern etwa auf einem Parkplatz, in einem Hinterhof oder an einer U-Bahn-Station; Papiere und Kaufvertrag fehlten; und nach der Übergabe interessiere sich niemand mehr für das Tier.
Dazu der rechtliche Rahmen bei Hunden aus dem Ausland: Nach Artikel 6 der EU-Heimtierverordnung (Verordnung (EU) Nr. 576/2013) dürfen Hunde zwischen Mitgliedstaaten nur verbracht werden, wenn sie gekennzeichnet sind und eine Tollwutimpfung erhalten haben, die den Gültigkeitsvorschriften des Anhangs III entspricht; dazu gehört der EU-Heimtierausweis. Die Verordnung geht in Artikel 7 ausdrücklich davon aus, dass eine Impfung bei Tieren unter zwölf Wochen wegen der mütterlichen Antikörper keinen Schutz aufbaut, und erlaubt den Mitgliedstaaten für jüngere Tiere nur unter engen Bedingungen Ausnahmen. VIER PFOTEN rechnet daraus ein praktisches Mindestalter von rund 15 Wochen ab — Impfung ab der zwölften Woche plus 21 Tage Wartezeit. Beim Verkauf gelten zusätzlich strengere Handelsvorschriften. Ich bin kein Jurist: verbindlich Auskunft gibt das für dich zuständige Veterinäramt.
Wer einen zu jungen, ungeimpften Welpen übernimmt, spart beim Kauf und trägt das Risiko, anschließend beim Tierarzt draufzuzahlen — im ungünstigen Fall über Monate.
Erstausstattung
Ab hier wird gerechnet. Die folgenden Beträge sind Annahmen, keine erhobenen Werte — sie sollen dir eine Größenordnung geben, die du mit deinem eigenen Einkaufszettel ersetzen kannst.
- Halsband, Geschirr, zwei Leinen (kurz und Schleppleine): 60 – 120 €
- Liegeplatz, Decken, Transportbox: 80 – 200 €
- Näpfe, Bürste, Handtücher, Kleinkram: 30 – 60 €
- Sicherung fürs Auto: 50 – 150 €
- Spielzeug und Kauartikel für den Anfang: 30 – 60 €
Summe dieser Annahmen: rund 250 bis 590 Euro. Ein Welpe wächst — Halsband und Geschirr brauchst du im ersten Jahr meist zweimal. Das ist in der Spanne oben bereits eingerechnet.
Tierarzt im ersten Jahr
Hier kann dir seriös niemand einen Festpreis nennen, und das hat einen sachlichen Grund: Tierärztinnen und Tierärzte rechnen nach der Gebührenordnung für Tierärzte ab. Die GOT gibt keine Festpreise vor, sondern einen Rahmen vom einfachen bis zum dreifachen Satz, stufenlos. Welcher Satz angesetzt wird, hängt vom Aufwand und den Umständen ab, für den Notdienst gibt es zusätzlich eine eigene Gebühr.
Was im ersten Jahr anfällt, lässt sich trotzdem benennen:
- die Grundimmunisierung, also mehrere Impftermine in den ersten Lebensmonaten
- Entwurmung oder Kotuntersuchungen im tierärztlich empfohlenen Rhythmus
- Parasitenschutz je nach Jahreszeit und Region
- das Chippen, falls der Hund noch nicht gekennzeichnet ist
- gegebenenfalls eine Kastration — eine Entscheidung, die tierärztlich besprochen gehört und keine Selbstverständlichkeit ist
Der praktisch nützlichste Rat: Frag in der Praxis vorher nach einem Kostenvoranschlag für die Grundimmunisierung. Das ist üblich, niemandem unangenehm, und du hast eine echte Zahl statt einer Schätzung aus dem Netz.
Kennzeichnung und Registrierung — günstiger als gedacht
Der Mikrochip wird beim Tierarzt gesetzt und kostet entsprechend. Die Registrierung dagegen ist kostenlos, und das wissen viele nicht.
TASSO schreibt dazu: „Die Registrierung und alle weiteren Services von TASSO sind völlig kostenfrei.“ Beim Haustierregister FINDEFIX des Deutschen Tierschutzbundes heißt es ebenfalls, das Haustier lasse sich „einfach und kostenlos online registrieren“.
Ein Chip ohne Registrierung nützt im Ernstfall wenig — die Nummer allein führt zu niemandem. Das ist der billigste sinnvolle Schritt, den du im ersten Jahr machen kannst.
Steuer, Versicherung und Kurs
Drei Posten, die im ersten Jahr dazukommen und die ich an anderer Stelle ausführlich behandelt habe:
Hundesteuer. Setzt jede Gemeinde selbst fest — in Berlin 120 Euro im Jahr für den ersten Hund, in Köln 174 Euro. Melde den Hund rechtzeitig an; die Frist steht in der Satzung deiner Gemeinde.
Haftpflicht. In manchen Bundesländern Pflicht, in anderen nicht. In Niedersachsen etwa verlangt § 5 des Niedersächsischen Hundegesetzes eine Haftpflichtversicherung, sobald der Hund älter als sechs Monate ist. Beides ist hier näher beschrieben: Was kostet ein Hund im Monat?
Welpenkurs. Bei einer der Hundeschulen, deren Preisliste ich ausgewertet habe, kostet ein fester Kurs über acht Termine 255 Euro (Stand: 28.08.2026). Das ist ein Einzelbeispiel, kein Durchschnittspreis — regional gibt es deutliche Unterschiede. Die vollständige Preisübersicht steht hier: Was kostet eine Hundeschule? (dieser Beitrag enthält einen Werbelink)
Die Rechnung fürs erste Jahr
| Posten | Betrag | Grundlage |
|---|---|---|
| Hund aus dem Tierheim (bis 1 Jahr) | 450 € | belegt (Tierheim Berlin) |
| Erstausstattung | 250 – 590 € | Annahme |
| Tierarzt erstes Jahr | nicht pauschal bezifferbar | GOT-Rahmen, Kostenvoranschlag erfragen |
| Registrierung TASSO oder FINDEFIX | 0 € | belegt |
| Hundesteuer, erstes Jahr | 120 – 174 € | belegt nur für Berlin und Köln, andere Gemeinden weichen ab — und bereits in den laufenden Kosten enthalten, deshalb unten nicht zusätzlich addiert |
| Welpenkurs, 8 Termine | 255 € | belegt (Preisliste einer Hundeschule, Einzelbeispiel) |
| Laufende Kosten, 12 Monate | 1.320 – 2.580 € | Annahme aus dem Monatsartikel |
Summe ohne Tierarzt: rund 2.275 bis 3.875 Euro im ersten Jahr — bei einem Hund aus dem Tierheim. Kommt der Welpe vom Züchter, ersetzt du die 450 Euro durch den Preis, den du dort erfragt hast.
Zur Nachvollziehbarkeit: 450 + 250 + 255 + 1.320 ergibt die untere Grenze, 450 + 590 + 255 + 2.580 die obere. Die Hundesteuer taucht in der Tabelle auf, wird aber nicht addiert — sie steckt schon in den laufenden Monatskosten. Das ist eine Mischung aus belegten und angenommenen Zahlen, keine erhobene Statistik. Sie ist trotzdem brauchbar, weil du jede einzelne Zeile durch deine eigene ersetzen kannst.
Was das erste Jahr wirklich teuer macht
Betreuung. Dass ein Welpe nicht acht Stunden am Stück allein bleiben kann, hat weniger mit Erziehung zu tun als mit seinem Alter — darauf weisen Tierschutzorganisationen und Hundeschulen übereinstimmend hin. Wer arbeitet, braucht eine Lösung — Urlaub, Homeoffice, Familie oder bezahlte Betreuung. Dieser Posten übertrifft oft alle anderen zusammen.
Was kaputtgeht. Teppichkante, Sofaecke, Kabel, Schuhe. Kein großer Betrag pro Stück, in Summe über ein Jahr aber spürbar.
Der unerwartete Tierarztbesuch. Welpen verschlucken Dinge, verletzen sich beim Toben, haben Durchfall. Eine Rücklage ist im ersten Jahr besonders sinnvoll — erfahrungsgemäß ist das nicht das ruhigste Jahr.
Häufige Fragen
Ist ein Hund aus dem Tierheim günstiger als einer vom Züchter?
In der Anschaffung meistens ja, und die Schutzgebühr enthält bereits Untersuchung, Impfung, Entwurmung und Chip. Die laufenden Kosten sind danach dieselben. Die Entscheidung sollte ohnehin nicht am Preis hängen, sondern daran, welcher Hund zu deinem Alltag passt.
Wann muss ich den Welpen bei der Gemeinde anmelden?
Die Fristen und die Frage, ab welchem Alter die Steuerpflicht beginnt, regeln die Gemeinden unterschiedlich in ihrer Satzung. Ruf im Zweifel dort an, bevor eine Nachzahlung fällig wird.
Brauche ich einen Welpenkurs?
Vorgeschrieben ist er nicht. Für Ersthundehalter ist er trotzdem meist eine gute Investition, weil er zwei Dinge liefert, die zu Hause fehlen: Kontakt zu anderen Welpen und jemanden, der sieht, was du tust. Wie viel davon sich auch ohne Kurs erarbeiten lässt, habe ich hier beschrieben: Hundeerziehung ohne Hundeschule.
Fazit
Das erste Jahr mit einem Welpen aus dem Tierheim landet nach dieser Rechnung bei rund 2.300 bis 3.900 Euro, Tierarztkosten noch nicht eingerechnet. Vom Züchter kommt der Kaufpreis obendrauf.
Belegen lässt sich davon: die Schutzgebühr, die Hundesteuer, der Welpenkurs und die Tatsache, dass die Registrierung des Chips nichts kostet. Der Rest sind Annahmen — meine, bis du deine eigenen einsetzt.
Und der Posten, der in keiner Tabelle steht, ist der wichtigste: Zeit. Ein Welpe braucht im ersten Jahr mehr davon, als die meisten vorher glauben. Wer die hat, kommt mit dem Geld zurecht. Wer sie nicht hat, hilft sich auch mit einem größeren Budget nicht.
Quellen
- Tierheim Berlin, Vermittlung und Schutzgebühren, abgerufen am 28.08.2026.
- VIER PFOTEN, FAQ illegaler Welpenhandel, abgerufen am 28.08.2026.
- TASSO e.V., Haustierregister und FINDEFIX, Haustier online registrieren, abgerufen am 28.08.2026.
- Bundestierärztekammer, Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT), abgerufen am 28.08.2026.
- Verordnung (EU) Nr. 576/2013 über die Verbringung von Heimtieren zu anderen als Handelszwecken, Artikel 6, Artikel 7 und Anhang III.
- Preisliste der Hundeschule Räuberhunde, abgerufen am 28.08.2026.
- Hundesteuer: Senatsverwaltung für Finanzen Berlin und Stadt Köln; Haftpflicht: § 5 Niedersächsisches Hundegesetz. Fundstellen im Beitrag Was kostet ein Hund im Monat?
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel gibt allgemeine Informationen und persönliche Erfahrungen wieder. Er ersetzt keine individuelle Beratung durch einen qualifizierten Hundetrainer oder Hundeverhaltensberater und keine tierärztliche Untersuchung oder Behandlung. Jeder Hund ist anders — was bei einem Hund funktioniert, kann bei einem anderen ungeeignet sein. Bei Verhaltensauffälligkeiten, gesundheitlichen Beschwerden oder Unsicherheit wende dich bitte an deinen Tierarzt oder einen ausgebildeten Hundetrainer vor Ort. Eine Haftung für Schäden aus der Anwendung der hier beschriebenen Tipps ist ausgeschlossen, soweit gesetzlich zulässig.

